Mittwoch, 8. Dezember 2010

Über Kreative und den digitalen Graben

Bei meiner Recherche zum Thema E-Learning für Senioren durfte die Initiative D21 natürlich nicht fehlen. Die Initiative D21 wurde 1999 gegründet, um die digitale Spaltung Deutschlands zu bekämpfen. Seitdem veröffentlicht der hochkarätig besetzte gemeinnützige Verein einmal jährlich den (N)Onliner Atlas. Diese Studie gibt detailliert Auskunft über die Internetkompetenz der Deutschen.


© Gerd Altmann/pixelio.de, Quelle: Pixelio
Da man seit der Einführung der Sinus-Milieus ohne kreative Wortschöpfungen zur Beschreibung einer Zielgruppe nicht mehr auskommt, war auch die Initiave D 21 schöpferisch tätig. Die Gruppen, in denen sich die digitale Elite und die weniger Glücklichen nun wiederfinden heißen:

  • Die digitale Avantgarde
  • Die digitalen Profis
  • Die Trendnutzer
  • Die Berufsnutzer
  • Die Gelegenheitsnutzer
  • Die digitalen Außenseiter

Die digitalen Außenseiter sind mit einem Anteil von 35% die größte Gruppe, weshalb man in der Studie auch den Begriff des „digitalen Grabens“ benutzte, um die Situation der deutschen Internetlandschaft zu beschreiben. Gleichzeitig hat diese Gruppe mit 64,9 Jahren auch das höchste Durchschnittsalter.

Ganz tief unten, im digitalen Graben, findet man schließlich die Frauen über 70. Zu deren Ehrenrettung äußerte sich die Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit, Birgit Kampmann, mit den Worten:


„Wir kommen nicht weiter, wenn wir Frauen über 70 Jahren als Problemgruppe stigmatisieren und unterstellen, sie seien in der digitalen Gesellschaft nicht angekommen. Sie verfügen über viel Lebenserfahrung und finden sich auch ohne eigene Internetnutzung bestens zurecht.“

Ts, Ts ... digitale Spaltung, digitaler Graben, Stigmatisierung. Bitte etwas mehr Contenance, meine Damen und Herren.

Wie wäre es denn, wenn man in der Diskussion über die Internetnutzung nicht nur über die Kompetenz sondern auch über die Relevanz nachdenken würde?

Für die Jugendlichen bis 19 Jahre ist das Internet, gleich nach dem Handy, das wichtigste Medium. Es ist Teil ihrer sozialen Realität. Junge Internetnutzer sind aktiv in unterschiedlichen sozialen Netzwerken, loggen sich mehrmals täglich dort ein, nutzen Instant Messenger, tauschen Daten und verabreden sich. Die Grenzen zwischen digitalem und echtem Leben sind nicht klar voneinander abgegrenzt, beides geht fließend ineinander über.

© Gerd Altmann/pixelio.de, Quelle: Pixelio
Menschen über 70 nennen Radio, Fernsehen und Tageszeitungen als beliebteste Medien. Die ältere Generation nutzt ihre Zeit bevorzugt für die Pflege von Hobbys, um sich mit der Familie und Freunden zu treffen, für Reisen und kulturelle Interessen. Das alles funktioniert auch ohne Internet. Diejenigen, die das Internet dafür einsetzen wollen, werden es tun. Für viele andere hat es möglicherweise einfach keine Relevanz. Darüber könnte man vieleicht einmal nachdenken.


Quellen:



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen