Mittwoch, 28. September 2011

3 Trends für den Arbeitsplatz der Zukunft

Beitrag zur Blogparade: Wie ist dein Arbeitsplatz der Zukunft?

Bianca Gade hat die Wissensarbeiter zur Blogparade aufgerufen. Wie arbeiten wir, wie stellen wir uns die künftige Arbeit vor, welche Wünsche haben wir an unseren Arbeitsplatz? Ich denke, als Freelancer ist man bereits einige Schritte Richtung Arbeitsplatz der Zukunft gegangen. Für viele Normalarbeitsplätze werden künftig ähnliche Bedingungen gelten und ähnliche Fähigkeiten an Bedeutung gewinnen. Aus meiner Sicht werden dabei besonders die Soft Skills immer entscheidender. Es wird um die Fähigkeit zur Vernetzung gehen, um stetiges Lernen in wechselnden Lerngruppen, um vielfältigen Wissensaustausch und die Suche nach Lösungen, die nicht mehr in unser gewohntes Raster mit eindeutigen Richtig-/Falsch-Antworten passen. Was also wird den Arbeitsplatz der Zukunft kennzeichnen?



Vertrauen und Offenheit werden wesentliche Fähigkeiten für den Arbeitsplatz der Zukunft

Als freiberufliche E-Learning-Autorin arbeite ich in erster Linie allein, es gibt kein vertrautes Team, keine Kollegen, die man schnell um Rat fragen könnte und keinen Chef, der mir Vorgaben macht. Meine Kunden kommen über das Netz, auch hier kein Kontakt von Angesicht zu Angesicht und trotzdem schließen wir Verträge. Das erste wichtige Stichwort für den Arbeitsplatz der Zukunft ist deshalb für mich Vertrauen. Ohne Vertrauen geht es nicht! Mein Kunde muss darauf vertrauen können, dass ich sein Anliegen verstehe, seine Ziele in ein passendes Lernarrangement umforme, seine Daten und Dokumente vertraulich behandle. Ich muss darauf vertrauen, dass der Kunde meine Arbeit abnimmt und mein Honorar zahlt. Das funktioniert aus meiner Sicht hervorragend und Probleme in der Kommunikation oder Zusammenarbeit habe ich noch nie erlebt.

Vertrauen kann aber nur dort entstehen und wachsen, wo man offen kommuniziert. An Stelle der persönlichen Beziehungen stehen heute die sozialen Netzwerke. Der Aufbau von Vertrauen muss schneller gehen, vertrauenswürdig oder nicht entscheidet sich oft nach einem Blick. Der Eierkopf bei Twitter ohne Biografie kommt nicht in die Timeline, eine Kontaktanfrage bei XING ohne Foto und mit rudimentärem Lebenslauf wird kein Kontakt. Vertrauen gibt es nur gegen Offenheit.

Doch wie weit soll und kann man mit dieser Offenheit gehen? Wer sich aktiv in den sozialen Netzwerken bewegt, muss einiges von sich preisgeben. Dinge, die wir in der Vergangenheit als Teil unserer Privatsphäre betrachtet haben, sind nun für jedermann frei verfügbar im Netz. Manch einer gerät da an seine Grenzen, die allgegenwärtige Aufforderung  zur Offenheit kann auch als Zwang empfunden werden und Abwehr provozieren. Wer sich nicht sicher sein kann über die Verwendung seiner Daten und Kommunikationsschnipsel, gleichzeitig aber mit der neuen Norm zur Offenheit konfrontiert ist, gerät  in ein Dilemma.  Viele deutsche Unternehmen versuchen diesem Dilemma zu entkommen, indem sie die Zugänge zu den sozialen Medien blockieren und ihre Mitarbeiter stärker überwachen.  Aus meiner Sicht eine Strategie, die sich rächen wird. Wie es auch anders geht beschreibt beispielsweise Stefan Pfeiffer in seinem Blog.

Kommunikation und Zusammenarbeit wird vorwiegend über Webdienste stattfinden

Wenn ich Außenstehenden die Art meiner Arbeit beschreibe erlebe ich oft Skepsis. Kann das überhaupt funktionieren, nur über verschiedene Medien zu kommunizieren, ohne die berühmten Gespräche in der Kantine oder zumindest gemeinsame Meetings? Ja, es funktioniert sehr gut! Aus meiner Sicht sogar besser als manches herkömmliche Setting. Es mag hervorragend strukturierte Meetings geben, die zielorientiert und fokussiert ablaufen. Wesentlich häufiger habe ich aber die andere Variante erlebt: Man beginnt verspätet, weil immer jemand zu spät kommt. Themen werden in aller Breite ausgewalzt und die Tagesordnung wird unfreiwillig erweitert. Irgendjemand schafft es immer, seine aktuellen Probleme unterzubringen, die mit allem zu tun haben, nur nicht mit dem Projekt. Es sind dann auch die Gleichen, die jeden Hinweis auf die Tagesordnung oder die Uhrzeit nonchalant ignorieren. Im Vergleich dazu laufen Online-Besprechungen fokussierter ab. Es mag daran liegen, dass das Medium kälter ist aber aus meiner Sicht kommt man schneller und besser auf den Punkt.

Wenn ich in einem Projekt arbeite, bin ich mit meinem Ansprechpartner über Skype verbunden. Für mich hat es den Vorteil, dass ich schnell und unkompliziert Fragen stellen kann ohne den Anderen bei seiner Arbeit zu stören. Die Kommunikation verläuft zum Teil asynchron aber schneller als per E-Mail und stärker dialogorientiert, weil man bei Bedarf zum Chat übergehen kann. E-Mails spielen im Grunde genommen nur noch die Rolle des Türöffners zu Beginn eines Projekts, im weiteren Verlauf verlieren sie an Bedeutung.

Auch bei Austausch von Dateien ziehe ich die entsprechenden Netzwerkdienste mittlerweile der E-Mail vor. Bei einem Webdienst werden die Ordner aller angemeldeten Rechner automatisch abgeglichen. Ich kann sicher sein, dass allen Projektbeteiligten die jeweils aktuelle Version der Dateien zur Verfügung steht. Der Schriftwechsel während eines Projekts wird daurch erheblich reduziert und gleichzeitig kann man mögliche Fehlerquellen besser kontrollieren.

Für die Kommunikation mit meinem persönlichen Netzwerk und zur Information nutze ich bevorzugt Twitter. Bei Nicht-Twitterern treffe ich damit zwar auf völliges Unverständnis aber Twitter ist das Social Media Tool auf das ich am wenigsten verzichten möchte. Meine Timeline ist der Filter für relevante Informationen, ich kann Fragen stellen, Informationen weitergeben oder einfach schnell einen Termin organisieren.

Lernen in wechselnden Communitys wird zur Normalität

Meine Arbeit bringt es seit jeher mit sich, dass ich mich schnell und umfassend in neue Themen einarbeiten muss. Bis zu einem gewissen Grad gelingt das natürlich autodidaktisch. Der Nachteil beim autodidaktischen Lernen liegt aber darin, dass ich mich bei der Auseinandersetzung mit den Inhalten in meinen eigenen Grenzen bewege. Beim Faktenlernen ist auch das unproblematisch aber immer dann, wenn es keine eindeutigen Lösungen gibt, bin ich auf andere Sichtweisen, Diskussion und Auseinandersetzung angewiesen, um neue Inhalte für mich einzuordnen.

Ich habe deshalb vor rund einem Jahr begonnen zu bloggen, Inhalte zu teilen und mich in verschiedenen Communitys zu beteiligen. Das kostet Zeit und macht Arbeit, ist aber im Endeffekt wesentlich effizienter als jede Form von Einzelkämpfertum. Fast nebenbei komme ich außerdem in Kontakt mit Menschen, die ähnliche Schwerpunkte und Interessen haben, die ich aber außerhalb des Web vermutlich nie getroffen hätte. Kontakte entstehen im Social Web schneller und unkomplizierter, sind aber deshalb keineswegs oberflächlicher als Kontakte in der analogen Welt. Ich erlebe die Menschen in meinen Netzwerken als sehr offen, großzügig und verbindlich. Wissen wird in viel größerem Ausmaß geteilt als ich es aus der Vergangenheit kenne, gemeinsame Ziele werden mit sehr viel Enthusiasmus verfolgt und die Zusammenarbeit steht nicht nur im Zeichen der Effizienz, sie macht auch Spaß.

Die angeführten Beispiele sind nicht besonders spektakulär. Ich habe sie ausgewählt, weil ich denke, dass sie künftig die Arbeit einer Mehrheit prägen werden.  Für meine persönliche Arbeit sehe ich die kommenden Veränderungen eher in einem Wandel der Lernformen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Tage der bisher üblichen Trainings, Seminare und E-Learning-Angebote gezählt sind. Sie werden nicht verschwinden aber der gesteuerte Lernprozess wird an  Bedeutung verlieren, während informelles Lernen mehr und mehr Gewicht bekommt.  Für die Verzahnung der verschiedenen Lernformen brauchen wir neue Konzepte und wir brauchen eine Diskussion darüber. Die sozialen Medien bieten dafür den Raum.

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