Dienstag, 5. Februar 2013

#MMC13 - Wie bekommen wir OER in den Pool?

In der 3. Woche des MOOC Maker Course #MMC13 ging es um Open Educational Ressources (OER). Die TeilnehmerInnen waren zu einem OER-Flashmob aufgerufen, alle fanden den Aufruf und die Idee gut aber es wurden relativ wenige Materialien zur Verfügung gestellt. Woran kann es liegen?

Open Educational Ressources und die damit verbundene Creative-Commons-Lizensierung sind ein sehr komplexes Thema. In komplexen Entscheidungssituationen, bei denen wir einzelne Aspekte nicht beurteilen oder einschätzen können, neigen wir zur Reduzierung der Komplexität, indem wir auf unser "Bauchgefühl" zurückgreifen. Wir nehmen dabei frühere Erfahrungen, Einstellungen und Werte zu Hilfe, um uns eine Entscheidung unter unsicheren Bedingungen zu erleichtern.

Ein kurzer Ausflug in die Umweltbildung


Im Bereich der Umweltbildung haben sich Fietkau/Kessel ausführlich mit der Kluft zwischen umweltrelevantem Wissen und umweltgerechtem Verhalten beschäftigt. Als Ansatzpunkte für eine Verhaltensänderung erkannten sie insgesamt 5 Bereiche, die das Verhalten beeinflussen: Wissen, Einstellungen und Werte, Verhaltensangebote, Handlungsanreize und wahrgenommene Rückmeldungen zu verändertem Verhalten. Fietkau und Kessel wiesen darauf hin, dass erst durch ein Zusammenwirken aller Komponenten eine Verhaltensänderung, hin zu umweltgerechtem Verhalten bewirkt werden kann. Sie bildeten dies als Modell in der sogenannten Lernspinne ab.

Ich möchte dieses Modell gerne in die Diskussion bringen, um mögliche Ansatzpunkte für die Erstellung von OER zu finden.

Modell "Lernspinne" nach: © Fietkau/Kessel: Umweltlernen, Königstein/Ts. 1981

Wissen: Im Rahmen der 3. Kurswoche wurden sehr viele Ressourcen zum Wissensaufbau zur Verfügung gestellt. Es wurde bei Google+ und Twitter diskutiert und über OER gebloggt. Den für mich treffendsten Beitrag schrieb aber Anja Lorenz, unter dem Titel: Du darfst ... was eigentlich?

Es ist tatsächlich vergleichbar mit der Umweltbildung, man muss, auch nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema, ohne sichere Grundlagen und Gewißheiten auskommen. Für alle, die jetzt nicht aussteigen wollen, lohnt die Beschäftigung mit den vier übrigen Elementen der Lernspinne.

Verhaltens-/Handlungsangebote: Hierunter fällt alles, was zur Vereinfachung beiträgt. Das können Plattformen sein, auf denen die OER schnell und unkompliziert zur Verfügung gestellt werden können oder Tools, die mit relativ einfachen Mitteln zu kreativen Ergebnissen führen. Wesentlich wichtiger wären aber aus meiner Sicht konkrete Tipps, Anleitungen und Beispiele, die dabei helfen, die Einstiegshürden zu verringern. Wer hat Beispiele? Wo könnten wir Tipps bekommen? Twittert und schreibt es ins Community-Forum bei Google+.

Handlungsanreize: Welche Formen der Anerkennung sind möglich und wie sieht es eigentlich mit finanziellem Ausgleich aus? Nicht jede/r von uns arbeitet in einem Bereich, wo die Erstellung von Bildungsmaterial zur bezahlten Aufgabe gehört. Wer sein Geld mit der Erstellung von Konzepten und Materialien verdient, sagt zu Recht: Give me an “o”? No!
Was denkt ihr darüber? Wo seht ihr Lösungsansätze? Wer sollte mitdiskutieren?

Rückkopplungen: Ohne Rückkopplungen kann die Motivation schnell den Bach runter gehen aber welche Art von Feedback hilft wirklich weiter? Reicht Wertschätzung alleine aus oder kann auch hier über finanzielle Anerkennung nachgedacht werden? Bei vielen WordPress Plugins ist es ganz normal, dem Entwickler über eine Spende auch finanzielle Anerkennung auszudrücken. Ist das für OER vorstellbar? Wenn nicht, warum?

Einstellungen und Werte: Ob jemand bereit ist Materialien und Wissen zu teilen, hängt sicher von der jeweiligen Grundhaltung ab. Was aber ebenso wichtig ist, sind die Rahmenbedingungen unter denen das Teilen von Wissen stattfindet. Dazu zählen stimulierende Aspekte, wie oben angesprochen aber auch der gesetzliche Rahmen und die gesellschaftlichen Bedingungen. Das deutsche Urheberrecht macht es einem nicht eben leicht eine Kultur des Teilens zu entwickeln. Von der Politik dürfen wir wohl auch keine besondere Empathie für Bildungsfragen erwarten. Wie kann also der Rahmen, in dem wir uns bewegen, gestaltet werden?

Ich freue mich auf Ideen, Vorschläge und Diskussion.

Update: Handlungsangebote

In dieser Rubrik möchte ich Ideen, Tools und Beispiele sammeln, die das Erstellen von OER einfacher machen. Vorschläge, auch zu anderen Ansatzpunkten, sind jederzeit willkommen. Bitte einfach in den Kommentaren posten.

Strichmännchen

Oft fehlen Grafiken, um Inhalte zu visualisieren. Strichmännchen sind eine gute Möglichkeit,  Inhalte zu emotionalisieren und mit Leben zu füllen. Dabei kommt es überhaupt nicht auf perfekte Zeichenkünste an. Wie man ganz einfach Strichmännchen erstellt, zeigt Betsy Streeter in dieser Präsentation:


Sie finden die Präsentation bei Slideshare.

Eine Fundgrube mit Tipps zur Visualisierung von Wissen ist die Seite von knowvis.

Sketchnotes

Open Educational Resources CC BY-SA 2.0 Ralf Appelt
Mit Sketchnotes kann man gleich mehrere Schritte weitergehen. Sie bieten die Möglichkeit, Sachverhalte mit einer Mischung aus Bild und Text zu visualisieren und dabei auch Prozesse und Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Eine Einführung zu "Sketchnotes in der Lehre", eine anschauliche Schritt-für-Schritt-Anleitung und weitere Tipps gibt es bei Ralf Appelt.


Lernvideos

Quelle: Sandra Schön
Wie gute Lernvideos mit einfachen Mitteln - zum Beispiel mit dem Smartphone - produziert werden können, haben Sandra Schön und Martin Ebner in einem Booklet beschrieben.  Es ist gedruckt im Buchhandel erhältlich:

Gute Lernvideos: ... so gelingen Web-Videos zum Lernen
ISBN 9783732233168
Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt
48 Seiten, farbig, Softcover € 17,90
(Autorenmarge zugunsten des BIMS e.V.) oder kann kostenlos bei Slideshare oder als PDF heruntergeladen werden.






Kommentare:

  1. Ich stelle mir folgende Fragen:
    1. Wenn ich in meiner Freizeit Materialien für meinen Arbeitgeber erstelle und dieser Lernmaterialien nicht freigibt, darf ich dann meine Produkte CC-lizensieren?
    2. Was heißt hier unkompliziert zur Verfügung stellen? Brauche ich da schon wieder den nächsten Account?

    Das ist mir irgendwie zu mühselig, meine Schmerzgrenze droht überschritten zu werden.

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  2. zu 1. Das kommt auf Deinen Arbeitsvertrag an: Schränkt er Dich ein, indem bspw. sämtliche Arbeitsergebnisse Deinem Arbeitgeber zur _alleinigen_ Verwertung zustehen? (In Schulen und Universitäten ist das noch nicht einmal mit Ergebnissen während der Arbeit der Fall, bei Ingenieuren schon)

    zu 2. Unkompliziert heißt sicher: Ohne eigenen Server und ohne eigene Plattform/Webseite zur Einbindung und Darstellung. Ein Bild bei Flickr hochladen geht schnell, man kann es gleich komfortabel taggen etc. und die Lizenz einfach auswählen. Im Gegensatz zu FTP-Upload, manuelle Einbindung auf einer Webseite, laden der Lizenzcodes etc. ist das sehr einfach. "schon wieder den nächsten Account" ist für mich kein Problem, da ich meine Accounts und Passwörter mit KeyPass verwalte und oft kann man ja auch mit dem Google- oder Twitter-Account anmelden.

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  3. Vielen Dank, für Deine Antworten Anja!

    Die erste Frage von schlind finde ich schwierig, weil es auf den Vertrag ankommt. Ich schließe mich deshalb Deiner Antwort an, soweit es sich um arbeitsvertragliche Leistungen handelt. Wenn allerdings die Materialien in der Freizeit erstellt werden, muss es doch Nebenabreden geben. Wird die Arbeit beispielsweise zusätzlich vergütet? Ansonsten verstehe ich nicht, welche Rechte der Arbeitgeber an diesen Materialien haben sollte.

    Zu 2: Ich hatte tatsächlich gemeint, dass Flickr eine recht unkomplizierte Möglichkeit zum teilen von Material ist. Zudem ist Flickr vermutlich die größte Community. Was würde es denn nützen, wenn ich das Material beispielsweise auf einen eigenen Account lade, den kaum jemand kennt und deshalb schlecht findet?

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  4. "Wenn allerdings die Materialien in der Freizeit erstellt werden, muss es doch Nebenabreden geben. Wird die Arbeit beispielsweise zusätzlich vergütet? Ansonsten verstehe ich nicht, welche Rechte der Arbeitgeber an diesen Materialien haben sollte."

    Die kann es geben. Im Regelfall gehören die Materialien, die Du in Deiner Freizeit erstellt hast, erst einmal Dir mit allen Verwertungsrechten. Bsp: Du hast in Deiner Freizeit ein Kinderbuch geschrieben. Dann kannst Du es Deinem Arbeitgeber anbieten oder irgendeinem Verlag oder dem nächsten Pizzaverkäufer um die Ecke. Deins. Schwieriger ist es bspw. bei Ingenieuren, die in ihrer Arbeit ein patentwürdiges Prinzip gefunden haben, ist es sicher problematisch, wenn dieses Prinzip bei Arbeiten in der Freizeit zur Anwendung kommt.
    Netter Link dazu: http://www.gruenderszene.de/recht/urheberrecht-kreative-leistungen

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